Organisationsmodelle

Sie haben die Wahl zwischen den Organisationsmodellen:

Für Persönliche Assistenz, Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz und Mobile Begleitung stehen bei der Beantragung des persönlichen Budgets vier Organisationsmodelle zur Auswahl.

Vor- und Nachteile
der zur Verfügung stehenden Modelle im Vergleich:

1) ArbeitgeberInnen-Modell

Hier treten Sie selbst als Arbeitgeber auf und beschäftigen Ihre AssistentInnen in einem allgemeingültigen rechtlichen Arbeitsverhältnis über freie Dienstverträge oder fixe Anstellungen direkt bei sich.

Vorteil:
Sie können sich Ihre AssistentInnen selbst aussuchen und selbst entscheiden , welche Personen in welchem Arbeitsverhältnis (Voll-, Teilzeit oder geringfügige Beschäftigung) angestellt werden sollen.
Sozialbetreuung.tirol kümmert sich um Alles!

Nachteil (ohne Sozialbetreuung.tirol):
Sie haben für die Einhaltung von arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen alleinverantwortlich zu sorgen, zum Beispiel:

  • verfügen die AssistentInnen über gültige Arbeitsberechtigungen z.B. gültiger Asylstatus, Sozialversicherungsnummer etc.
  • Berücksichtigung zusätzlicher Kosten, welche jedoch über das Persönliche Budget (PB) geltend gemacht werden können:
    –   Kosten der „Mitversicherung“ von AssistentInnen über die Haushaltsversicherung
    –   Lohnnebenkosten und sozialversicherungsrechtliche Abgaben-  Steuerberatungs-, Buchhaltungs- oder Kosten aus anderen Beratungstätigkeiten im Zusammenhang mit der Bezahlung von AssistentInnen

2) DienstleisterInnen-Modell

Sie beziehen Ihre Unterstützungsleistungen über AssistentInnen, welche wiederum bei DienstleisterInnen (= Organisationen bzw. Vereine) beschäftigt sind. Diese DienstleisterInnen verfügen mit dem Land Tirol über Tarifvereinbarungen.

Vorteil:
Sie sind KundInnen und brauchen sich über die Einhaltung von arbeitsrechtlichen und formalen Rahmenbedingungen keine Gedanken machen.

Nachteil:
Sie können sich Ihre AssistentInnen nicht selbst aussuchen.

3) Mischform zwischen den Modellen:

AssistenznehmerInnen können beide Organisationsmodelle kombinieren.
D.h. Sie beschäftigen einen Teil ihrer AssistentInnen im ArbeitgeberInnen-Modell und kaufen Assistenzdienstleistungen über einen Dienstleister zu.

4) Dienstleistungsscheck (DLS)-Modell
Link für ArbeitnehmerInnen
Link für ArbeitgeberInnen
Beiblatt zum DLS

Die notwendigen Unterstützungsleistungen werden über Dienstleistungsschecks (DLS) bezahlt, welche Sie über die Zuteilung Ihres persönlichen Budgets erhalten. Der Dienstleistungsscheck ist für kurze, befristete Arbeitsverhältnisse (für längstens 1 Monat) vorgesehen. Das Arbeitsverhältnis kann wiederholt mit denselben Personen abgeschlossen werden. Je Beschäftigungstag ist ein Dienstleistungsscheck auszustellen.
Stundensatz für Persönliche Assistenz: € 13,20

Nachteile:

Das Land Tirol, Abteilung Soziales, Behindertenhilfe, lehnt bei bestimmten Diagnosen das DLS-Modell ab. Außerdem wird nur „Persönliche Assistenz“ bewilligt. Bitte klären Sie vorab mit Ihren SachbearbeiterInnen welches Organisationsmodell bei Ihnen genehmigt werden kann.

  • Da ein Dienstleistungsscheck im Wert von z.B. € 10,00 nur zu einem Kaufpreis von € 10,20 erworben werden kann, entspricht dies einem Selbstkostenanteil von 2%, welcher sich aufgrund des Beitrages zur gesetzlichen Unfallversicherung, sowie eines Verwaltungskostenanteiles zusammensetzt.
  • Bei einer Beschäftigung von nicht arbeitsberechtigten Personen (z.B. Personen, die im gemeinsamen Haushalt leben; Personen, die keinen freien Arbeitsmarktzugang haben) begehen Sie eine Verwaltungsübertretung, bei der Ihnen ab der 2. Übertretung eine Geldstrafe bis zu € 200,00 droht.
  • Es sind nur geringfügige Anstellungen von Privatpersonen (Familienangehörige fast zur Gänze nicht erlaubt), die nicht bei einem Verein angestellt sind, möglich.
  • Für ein und dieselbe Arbeitnehmerin/denselben Arbeitnehmer ist eine Beschäftigung nach dem DLSG (= Dienstleistungsscheckgesetz) nur bis zur Geringfügigkeitsgrenze möglich. Im Jahr 2019 entspricht das einem Wert von insgesamt € 612,07 pro Monat (Geringfügigkeitsgrenze von monatlich € 446,81 zuzüglich der Abgeltung anteiliger Sonderzahlungen und Urlaubsersatzleistungen).

Entlohnung zwischen Ehepartnern (dies gilt auch für Lebensgefährten), Eltern(teilen) und Kindern sowie zwischen Großeltern und Enkel ist nach dem Hausgehilfen- und Hausangestelltengesetz nicht zulässig, da angenommen wird, dass haushaltsnahe Dienstleistungen aufgrund der familiären Beistandspflicht ohnehin gegeben sind.

Dienstleitungsschecks können nur für haushaltsnahe Dienstleistungen in Privathaushalten in Anspruch genommen werden. Zum Beispiel: Reinigungsarbeiten (Wohnung, Eigenheim, Wäsche, Geschirr)
Beaufsichtigung von Klein- oder Schulkindern
Einkäufe von Lebensmitteln, Bedarfsgütern des täglichen Lebens, Medikamenten (jedoch nicht deren Verabreichung), Heizmaterial sowie die Beheizung von Räumen einfache Gartenarbeiten (z.B. Laub kehren, Rasen mähen etc.)

  • Dienstleistungschecks können NICHT für folgende Tätigkeiten herangezogen werden:
    –   Alten- und Krankenpflege (aufgrund längerer Ausbildungszeiten)
    wie z.B. 24h Pflege, hier empfiehlt sich eine individuelle Abklärung mit der zuständigen Behörde.
    –   Mischverwendungen (z.B. Arbeit sowohl im Haushalt als auch im Unternehmen)
      Dreiecksverhältnisse (Privathaushaltstätigkeiten von Personen, die bei einem Verein angestellt sind [z.B. Familienhelferin]
    Erklärung: die Rechtsbeziehung zwischen DLS-BezieherInnen und einem Verein (als Arbeitgeber) ist nicht zulässig

Möglichkeiten:
Andere Familienangehörige (z.B. Onkel/Tante, Geschwister) als die oben angeführten Familienkonstellationen oder generell andere Personen können über das DLSG entlohnt werden, sofern sie nicht im gemeinsamen Haushalt mit dem Bezieher des Dienstleistungsschecks leben.

Quellen: DLS-Online & DLS-Arbeiterkammer